Jungpflanzen aus Saatgut vorziehen – wie alles anfängt

Der richtige Zeitpunkt

Die meisten Gemüsepflanzen und Gewürzkräuter dürfen frühestens ab Mitte März direkt ins Freie gesät oder gepflanzt werden, viele erst ab April oder Mai. Besonders wärme- und lichtbedürftige Pflanzen wie Tomaten, Paprika, Zucchini dürfen erst nach den Eisheiligen ins Freie.

Nun kann man natürlich Setzlinge zum richtigen Zeitpunkt im Fachhandel kaufen und direkt ins Beet setzen. Spannender ist es jedoch, bereits ab Februar/März die Pflanzen selbst vorzuziehen. Dazu benötigt man einen Platz in heller und geschützter Umgebung z.B. im Gewächshaus, im Frühbeet oder, für die wärmebedürftigen Pflanzen auf der Fensterbank. Wichtig ist, dass die Sämlinge genügend Wärme und Licht bekommen. Direkte Sonneneinstrahlung sollte jedoch vermieden werden.

Wenig sinnvoll ist es zu früh mit dem Vorziehen zu starten. Auf der warmen Fensterbank keimen die Pflänzchen, je nach Pflanzenart in wenigen Tagen bis Wochen zwar relativ sicher, sobald sich das erste Grün zeigt benötigen sie allerdings, außer der Wärme und Wasser vor allem viel Licht. Bekommen die Keimlinge nicht genügend Licht, werden ihre Stängel lang und dünn (sie vergeilen).  Die Pflänzchen können sogar umfallen und verkümmern. Also ist es ratsam die Pflanzen zeitlich so vorzuziehen, dass sie zum richtigen Zeitpunkt gerade kräftig genug für die Auspflanzung sind.

Dazu zwei Beispiele:

Bei Tomaten beträgt Keimdauer etwa 2 Wochen. Bis die Pflanze kräftig genug zur Pflanzung ins Freie ist, vergehen nochmals mindestens 2 Wochen, insgesamt also ca. 4 Wochen. Der geeignete Zeitpunkt zur Auspflanzung ins Freie ist Mitte Mai. D.h. ein sinnvoller Zeitpunkt zur Voranzucht ist ab Mitte April.

Bei Gurken beträgt Keimdauer nur wenige Tage. Bis die Pflanze kräftig genug zur Pflanzung ins Freie ist, vergehen ebenfalls nur wenige Tage, insgesamt weniger als 2 Wochen. Der geeignete Zeitpunkt zur Auspflanzung ins Freie ist Mitte bis Ende Mai. D.h. ein sinnvoller Zeitpunkt zur Voranzucht ist ab Anfang Mai.

Für die meisten Gemüsesorten ist Anfang bis Mitte März eine gute Zeit, um mit dem Vorziehen zu beginnen. Siehe Angaben zu den einzelnen Pflanzen in den Kapiteln „Gemüse/Salat“, „Kräuter“ und „Obst“.

Zum Vorziehen gut geeignet sind beispielsweise Dill, Gurken, Kohlrabi und andere Kohlarten, Koriander, Kürbis, Mangold, Paprika, Petersilie, Pflücksalat, Stangensellerie, Auberginen, Tomaten und Zucchini.

Andere Gemüsesorten sät man direkt ins Freie, z.B. Knoblauch (Knoblauchzehen stecken), Feldsalat, Bohnen, Rote Bete, Radieschen, Spinat, Möhren und weiteres Wurzelgemüse.

 

In Anzuchtgefäße säen

gemüse und Kräuter vorziehen

Saatgut kann man in Anzuchtschalen säen und die Keimlinge später pikieren (in Einzeltöpfchen umsetzen). Bei der Aussaat in Anzuchtschalen sät man zunächst mehr Samenkörner als man später Pflänzchen benötigt und verwendet dann nur die kräftigsten Keimlinge. Das ist besonders bei Saatgut mit schlechterer Keimfähigkeit empfehlenswert. 

Oder man sät direkt in einzelne Anzuchttöpfchen für jeweils nur eine Jungpflanze, wodurch das Pikieren entfallen und die Jungpflanze streßfrei weiterwachsen kann.

Verwendet man Fasertöpfchen, können die Jungpflanzen später inklusive Topf ins Beet gepflanzt werden. Sie durchwurzeln den Fasertopf und wachsen ungestört im Beet weiter. Die Fasertöpfchen zersetzen sich mit der Zeit in der Erde.

Und so funktioniert es

Um beim Vorziehen eine Verkeimung mit schädlichen Mikroorganismen zu vermeiden, sollte man eine gute, weitgehend sterile Anzuchterde, saubere Anzuchtgefäße, sauberes Wasser und saubere Werkzeuge und Hilfsmittel verwenden.

  • Anzuchterde fein zerkrümeln und das Anzuchtgefäß damit befüllen.
  • Erde leicht andrücken und gut anfeuchten. Fasertöpfe sollen gut durchfeuchtet sein, sonst ziehen sie zu viel Wasser aus der Anzuchterde.
  • Samen einbringen. Zum gleichmäßigen Verteilen kleiner Samenkörner benutze ich eine alt-bewährte Methode. Kleines, weißes Blatt Papier in der Mitte falten, Samenkörner drauf rieseln, und mit einer Messerspitze oder ähnlichem Hilfsmittel, die Samenkörner einzeln einbringen.
  • Samen mit Anzuchterde bedecken. Wie stark die Samenkörner mit Erde bedeckt werden sollen ist je nach Pflanzenart sehr unterschiedlich. Angaben dazu findet man meist auf den Samentütchen. Dunkelkeimer müssen immer bedeckt werden, Lichtkeimer entweder ganz dünn oder auch gar nicht.
  • In allen Fällen nochmals leicht andrücken damit ein guter Kontakt zur Erde hergestellt wird und mit einer Sprühflasche oder einer kleinen Gießkanne gut anfeuchten.
  • Zum Schluss soll das Anzuchtgefäß fast voll mit Erde sein, nur ein ca. 1 cm hoher Rand bleibt frei.
  • Um den Überblick zu behalten hilft ein, mit dem Pflanzennamen beschriftetes Schildchen,
  • Anzuchttöpfchen in eine Schale mit Abdeckhaube stellen. Anzuchtschalen ebenfalls abdecken. Die Abdeckhaube sorgt für warmes und feuchtes Klima und unterstützt dadurch die Keimung. Während der Keimung, besonders wenn sich bereits das erste Grün zeigt, muss täglich gelüftet werden. Dazu zwischen Anzuchtgefäß und Abdeckung, am besten dauerhaft 2 cm Abstand lassen, sofern es die Umgebungstemperatur zulässt. Wenn nicht, kann man die Abdeckung zeitweise schließen, z.B. über Nacht.
  • Sind alle Sämlinge aufgegangen kann man die Abdeckung ganz entfernen.
  • Die Keimlinge benötigen viel Licht, frische Luft und weiterhin gleichmäßige Feuchtigkeit. Außerdem sollen sie jetzt kühler stehen als während der Keimzeit, jedoch nicht unter ca. 10°C. Kalte Zugluft, direkte Sonneneinstrahlung muss unbedingt vermieden werden. Das Substrat muss feucht, darf aber nicht nass sein, sonst besteht die Gefahr von Pilzbefall.
  • Damit die Keimlinge gerade wachsen und sich nicht zur Sonnenseite neigen, werden sie jeden Tag etwas gedreht. Außerdem sollen sich ihre Blätter nicht berühren, damit sich dort keine Feuchtigkeit halten kann.
  • Falls man in einzelne Anzuchttöpfe gesät hat, kann man noch etwas Erde nachfüllen und leicht düngen, sobald sich einige Laubblattpaare gebildet haben. Zum Düngen zu diesem Zeitpunkt und nochmals 2 Wochen später, verwende ich bei Stark- und Mittelzehrern, einen organischen Flüssigdünger in 4-facher Verdünnung. Schwachzehrer werden nicht gedüngt.

Angaben zum geeigneten Aussaatzeitpunkt, Größe des Anzuchtgefäßes, Samentiefe, Keimzeit und Keimtemperatur der einzelnen Pflanzen finden Sie in den Kapiteln „Gemüse/Salat“, „Kräuter“ und „Obst“.

 

Pikieren – mehr Platz zum Entwickeln

Hat man in Anzuchtschalen gesät, werden die Pflänzchen pikiert, sobald sich zusätzlich zu den beiden Keimblättern die ersten Laubblättchen gebildet haben. Dazu benötigt man einzelne Anzuchttöpfchen, Anzuchterde (Aussaaterde), einen Pikierstab und einen Wassersprüher oder eine kleine Gießkanne, eventuell eine scharfe Schere.

Und so funktioniert es:

  • Erde in der Anzuchtschale anfeuchten, damit sich die Pflänzchen leichter herausnehmen lassen.
  • Anzuchttöpfchen mit Anzuchterde befüllen und andrücken, nur ein ca. 1 cm hoher Rand soll frei bleiben.
  • Erde gut anfeuchten. Bei Verwendung von Fasertöpfen, sollen diese gut durchfeuchtet sein, sonst ziehen sie zu viel Wasser aus der Pikiererde.
  • Mit dem Pikierstab ein Pflanzloch in die Erde stechen, so tief, dass später das Jungpflänzchen etwas tiefer gesetzt werden kann als zuvor in der Anzuchtschale (außer Salat und Gemüse mit oberirdischen Knollen wie Kohlrabi, Fenchel, Rote Bete). Hochwachsende Pflanzen wie Tomaten oder einige Kohlarten kann man bis kurz unter die Keimblätter in die Erde stecken, dadurch stehen die Pflanzen stabil und es bilden sich am Stängel zusätzliche Wurzeln.
  • Nun die kräftigsten Pflänzchen aus der Aussaatschale nehmen. Dazu schiebt man den Pikierstab vorsichtig seitlich unter die Wurzeln, hebelt das Pflänzchen nach oben aus und setzt es einzeln in ein vorbereitetes Anzuchttöpfchen. Das alles so, dass die empfindlichen Wurzeln möglichst nicht verletzt werden.  Wurzeln sollten sich am Boden nicht zu sehr stauen oder sich nach oben biegen. Zu lange Wurzeln kann man mit einer Schere etwas kürzen. Dadurch wird auch die Wurzelverzweigung angeregt.
  • Danach wird die Erde rundum leicht angedrückt und gut angefeuchtet.
  • Die Jungpflanzen benötigen weiterhin viel Licht, frische Luft und gleichmäßige Feuchtigkeit. Temperaturen unter ca. 10°C, kalte Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung müssen unbedingt vermieden werden. Das Substrat muss feucht, darf aber nicht nass sein, sonst besteht die Gefahr von Pilzbefall.
  • Damit die Jungpflanzen gerade wachsen und sich nicht zur Sonnenseite neigen, werden sie jeden Tag gedreht. Außerdem sollen sich ihre Blätter nicht berühren, damit sich dort keine Feuchtigkeit halten kann.
  • 2 Wochen nach dem Pikieren bekommen die Stark- und Mittelzehrer, etwas organischen Flüssigdünger in 4-facher Verdünnung. Schwachzehrer werden nicht gedüngt.

Abhärten und pflanzen, endlich raus aus der Kinderstube

Rückt die Zeit zur Auspflanzung ins Freie näher und die Jungpflanzen sind kräftig genug, müssen sie sich langsam an das richtige Leben gewöhnen, d.h. sie müssen abgehärtet werden. Ein zu plötzlicher Stress durch Wind, direkte Sonneneinstrahlung und starke Temperaturwechsel von Tag auf Nacht würde ihnen sonst schaden.

Zur Abhärtung sollten sie mindestens 1 Woche vor der Auspflanzung, jeden Tag etwas länger ins Freie gestellt werden; Zunächst noch etwas geschützt und dann Tag für Tag mehr an die neuen Bedingungen gewöhnt werden.

Angaben zum geeigneten Pflanzenstandort, Pflanzzeitpunkt, Pflanztiefe der einzelnen Pflanzen finden Sie in den Kapiteln „Gemüse/Salat“, „Kräuter“ und „Obst“.